Montag, Mai 21

Instagram: Mehr als schöne Bilder?

7,5 Millionen Bilder zeigt Instagram unter dem Hashtag #car an. Retro-Autos, aufgemotzte Motoren und Rostlauben, die kurz vor dem Schrottplatz stehen. Doch das Netzwerk will mehr, bietet seit Anfang März in Deutschland eine Shopping-Funktion an. Ist Instagram nun für Autohäuser ein weiteres Muss? Oder überschätzter Hype?


Im Vergleich zu Facebook führt Instagram in Deutschland aktuell ein Nischendasein. Lediglich 15 Millionen Nutzer im Vergleich zu gut 30 Millionen bei Facebook. Dennoch: Die Nutzerzahlen wachsen stetig und machen das Netzwerk damit auch für Unternehmen interessant. Zumal sich mit der neuen Shopping-Funktion von Instagram direkte Anreize zum Kauf von Produkten setzen lassen. Seit Anfang März können Shop-Betreiber in Deutschland bis zu fünf Produkte auf einem Bild markieren. Per Fingertipp wird den Nutzern der Preis und eine Kurzbeschreibung angezeigt. Voraussetzung ist ein Business-Account und eine Facebook-Seite, Kosten entstehen bislang nicht.

Wer jetzt neu in das soziale Netzwerk einsteigt, hat es zugegebenermaßen nicht leicht. Es gibt unzählige etablierte Accounts und die Ansprüche der Nutzer an die Bildästhetik sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Mit spontan veröffentlichten, verwackelten Handy-Fotos ist es schwierig, sich Reichweite zu verschaffen. Mehr als auf Facebook bedarf es kreativer visueller Ideen, um Follower zu gewinnen und sich einen festen Platz in der Instagram-Welt zu verschaffen.

Größere Reichweite durch Influencer-Marketing
Viele Autohersteller setzen deshalb auf sogenannte Influencer, also Personen, die über mehrere Tausend oder sogar Millionen Follower und damit eine sehr große Reichweite verfügen. Dies müssen nicht unbedingt Motoren-Liebhaber sein, die ausschließlich Hochglanzbilder der neuesten Automodelle posten. So arbeitete Mercedes-Benz im vergangenen Jahr bei der Präsentation des CLA Coupé mit einem US-Rapper zusammen, der über das soziale Netzwerk seine Schwäche für die Karosserien des schwäbischen Autobauers bekundete. Kia und Alfa Romeo nutzen hingegen die Bekanntheit professioneller Models, um ihre neuen Modelle zu bewerben. Um dem eigenen Unternehmen zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen können also durchaus auch Wege gewählt werden, die ein scheinbarer Umweg sind.

Wem solche bezahlten Kooperationen zu teuer erscheinen, für den gibt es noch andere Optionen: Mitarbeiter als Influencer. Zwar ist meist die Reichweite ihrer Accounts geringer, dennoch sind sie authentisch und vermutlich offen, über das Netzwerk Einblicke in ihren Arbeitsalltag zu gewähren. Für Autohäuser, die keine extra Kapazitäten auf Instagram binden wollen, kann dies eine attraktive Alternative sein.

Überlegen Sie aber auch, was Sie zurückgeben können: In den USA ist es für viele Unternehmen Standard, Mitarbeiter mit kleinen Geschenken zu versorgen, wenn diese in sozialen Netzwerken mehr Reichweite bringen. Wer am häufigsten bestimmte Hashtags (#dassinddiesehier) verwendet oder Bilder postet, erhält beispielsweise eine Tasse mit dem Firmenlogo. Wahlweise bieten ein belegtes Brötchen vom Lieblingsbäcker nebenan oder eine Woche Parken auf dem Chefparkplatz auf humorvolle Art Anreize für mehr Interaktion.

Instagram: Hype oder Muss?
Instagram ist mehr als Facebook ein soziales Netzwerk, das durch Interaktion, gegenseitiges „Liken“ von Beiträgen und ästhetisch ansprechende Bilder funktioniert. Autohäuser sollten genau hinterfragen, ob sie über ausreichend Kapazitäten verfügen, um regelmäßig Inhalte zu veröffentlichen und die eigene Strategie auf Erfolg zu überprüfen. Ist dem nicht so, bleibt die „große Schwester“ Facebook für Unternehmen mit einem klaren regionalen Schwerpunkt das Netzwerk der Wahl.